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Den Haag (16. – 21. August)

Den Haag war für mich eine positive Überraschung. Obwohl die Stadt als Sitz des Internationalen Gerichtshofs und des Kriegsverbrechertribunals bekannt ist, zeigte sie sich mir von einer unerwarteten Seite. Und dank Mara sah und entdeckte ich Orte und Aktivitäten, die ich sonst vielleicht übersehen hätte.

Beginnen wir mit dem fast schon etwas Offensichtlichen, dem Strand. Ja, Den Haag liegt am Meer und deshalb auch am Strand und diese Lage am Meer ist ziemlich präsent. Präsenter als ich gedacht habe. Man sieht Surfer durch die Strassen ziehen, “stad aan Zee” ist der touristische Slogan von Den Haag. Unsere Unterkunft lag in Strandnähe, etwa einen Kilometer davon entfernt, und die Strasse dorthin, die sogenannte Kaiserstrasse, geschmückt mit schwebenden Kronen, war wie ein Vorbote dieses “Paradies am Meer” (ein etwas gar schwulstiger Vorschlag von Gemini :-))

Königlich, bzw.. kaiserlich nicht nur die Strasse, sondern auch das Honorar des Königs, etwas mehr als 1 Million Euro jährlich.

Aber der Strand war in der Tat ziemlich cool, nämlich elf Kilometer lang, mit zahllosen Kaffees, Bars, Gumpiburgen und Rösslispiel bestückt, gesäumt vom Legoland, einem Einkaufscenter sowie einem etwas verwahrlosten Steg (genannt de Pier). Verwahrlost ist vielleicht etwas stark ausgedrückt, aber in die Jahre gekommen ist er definitiv, vielleicht auch etwas aus der Zeit gefallen und ganz objektiv an einigen Stellen etwas zugemüllt. Dafür gibt es ein wirklich schönes Riesenrad, das noch frisch wirkt (sollte es auch, es wurde schliesslich erst 2016 eröffnet) und einen fantastischen Ausblick ermöglicht.  De Pier, ein 1961 eröffneter Konsumtempel, ein Shabby-Chic-Bauwerk, dessen beste Tage gezählt sind.

einfach schön …

Das Highlight von Den Haag – Achtung Überraschung – war das Kinderbuchmuseum. Also auf jeden Fall für unsere Tochter. Sie fand das Museum so toll, dass wir zwei Tage hintereinander dorthin gegangen sind. Und dies bei recht schönem Wetter, notabene. Das Museum bestand aus drei Stockwerken, jenes ganz oben für Kinder von null bis sechs, das mittlere Stockwerk war der Jugendliteratur gewidmet also für Teens und young adults (das ist schon der passende Begriff, fragt ein noch knapp der Generation Y Angehöriger) und der unterste Stock richtete sich an Schulkinder, also 7 bis 12 jährige Jungs und Mädchen . Zuoberst gibt es wenig zu lesen, dafür mehr zu entdecken in verschiendene von Kinderbüchern inspirierten (Spiel)-welten.  Es gibt zum Beispiel den Frosch mit dem sehr niederländischen Namen Kikker. Dieser Frosch und seine Abenteuer waren Ideengeber für eine ganze Spielwelt mit Schiff, Haus, Küche, Erdhügel und einem Malspiel auf grossem Bildschirm. Dort konnte man etwa eine Bank anstreichen – eine Arbeit, die von der fleissigen Ratte angefertigt wurde, die vom Schwein und Hasen jedoch als faul und schmutzig bezeichnet wurde. Nur der Frosch selbst blieb diesem Vorurteil gegenüber skeptisch. Sie können also in die Ideenwelt dieser Kinderbücher recht praktisch eintauchen. Und natürlich hat es dort auch noch eine kuschelige Leseecke mit ganz vielen Büchern dieses Autors, zum Glück auch einige auf Englisch, denn mein Niederländisch ist noch nicht so gut. (Auch wenn man recht schnell, ziemlich viel versteht.)

auch Kinderbuchillustrationen werden grosszügig ausgestellt, hier ein Beispiel von Marije Tolman

Und natürlich hat Den Haag eine der schönsten Alleen in ganz Niederlanden. Breit, mit schönen und hohen Bäumen und einer unglaublichen Lichtstimmung am Nachmittag. Und dann gibt es auch noch ein denkwürdiges Memorial, welches an die nicht so rühmliche Sklavenvergangenheit der Niederländer erinnert. Hier, aber auch bei vielen anderen Denkmälern und Skulpturen haben wir Maras Affinität und Freude daran entdeckt. Natürlich begreift sie diese Gegenstände primär als Spielobjekt und trotzdem ist es offensichtlich, dass ihr diese meist figurativen Bauten Freude bereiten. 

Den Titel finde ich etwas beschönigend, aber insgesamt wird die unrühmliche Vergangenheit nicht schöngeredet.

Und zum Schluss noch eine Gemeinsamkeit von Den Haag und Grenchen – oder genauer gesagt Altreu, was ja fast schon Grenchen ist: der Storch. In Den Haag ist er so etwas wie ein Wappentier und taucht überall auf, allerdings nicht lebendig, sondern als Malerei an Hauswänden oder als kleine Figur auf den Dächern. Früher, so heisst es, wurde der Storch eingesetzt, um den Fang vor hungrigen Möwen zu schützen. Als Dank durften die Möwen den überschüssigen Fisch verzehren. Störche also als tierische Verteidiger. Ob das wirklich so war oder eher eine Legende ist, konnte ich nicht verifizieren. Sicher belegt ist aber, dass Störche Fischabfälle gefressen haben und damit halfen, den Fischmarkt sauber zu halten – auch eine wertvolle Aufgabe.

Texel (9. – 16. August)

Texel eine bekannte Insel der Niederlande und liegt in Nordholland. Bevor es losgeht, noch ein paar Worte zur Begriffsklärung zu Holland und Niederlanden. Mich hat das Ganze immer irritiert, aber es ist eigentlich ganz einfach: Nord- und Südholland sind die einzigen beiden Provizen, welche Holland im Namen tragen, die restlichen zehn Provizen (insgesamt gibt es zwölf) heissen anders und alle zusammen bilden die Niederlande. Soweit, so einfach.

Die zwölf Provinzen der Niederlanden

Und nun zu Texel, dem nördlichen Gebiet der Proviz Nordholland, auf welcher wir für eine Woche zu Gast waren. Was haben wir gemacht, was hat uns beeindruckt und überrascht.
Texel ist eine wunderschöne Urlaubsinsel, auf welcher wir wie auch zahlreiche Touristen aus den Niederlanden, Deutschland und auch Italien zur gleichen Zeit Urlaub gemacht haben. Natürlich waren auch noch andere Nationen vertreten, aber prominent waren diese nicht aufgefallen. Texel ist nicht so gross, aber dennoch gross genug, dass es einem eine Woche lang nicht langweilig wird. Auf jeden Fall, wenn das Wetter mitspielt wie dies bei uns der Fall war. Traumhaft war es, fast ein bisschen warm, aber eine Hitzwelle mit maximal 27 Grad ist gut erträglich. Hier ein kleiner Einschub, was uns überrascht hat. Nämlich, dass es auf der Insel zwar zahlreiche Spielplätze gab, aber keine schattigen Bänke oder auch nur Orte, bei denen man von der Sonne geschützt warten oder natürlich spielen konnte.

kein Schatten, dafür eine xxl-Grillstation

Was es aber gab und zwar zahlreich waren Fahräder, Fahrradstellplätze, Fahrradwege und Menschen, welche sich auf Fahrrädern fortbewegten. Und zwar deutlich mehr als Autos und ich würde sogar soweit gehen, zu behaupten, dass es mehr Fahrräder als Schaffe auf der Insel gab.

Fahrradparkplatz beim Strand

Auch wir fuhren Rad und zwar ausgiebig, fast jeden Tag und lange Strecken. Die Landschaft war bezauberend, die Radwege auch und es machte einfach mächtig Spass, durch die Dünen zu sausen oder auf einem Damm entlang zu radeln und dabei Schaffe auf der einen und das Meer auf der anderen im Blick zu haben. Bezauberend! Auch hier noch ein kleiner überraschender Einwand: Niederländer und auch die deutschen Touristen:innen, welche mutmasslich auch geradelt sind, tragen keine Helme oder fast keine. Nur manchmal erblickt man ein Kind mit Helm. Aber nur manchmal. Gemäss einer Blitzrecherche ist das Helmtragen kulturell nicht verankert (was für ein Argument) und die Rad-Infrastruktur ist so gut, dass ein Helmtragen als überflüssig angesehen wird. Und die Unfallstatistik bestätigt es, es gibt nicht mehr schwere fahrradbedingte Kopfverletzungen als in anderen Ländern. Wenn man ein bisschen herauszoomt, kann man folgendes ableiten: Niederländer:innen nehmen den Staat für ihre Sicherheit in die Verantwortung, wir Schweizer:innen das Individdum. Das ist zugebenen etwas verkürzt argmumentiert, aber es trifft schon auch einen wahren Kern, wenn wir an Diskussionen um neue Velowege oder Tempo-30-Bereiche nachdenken. Zurück zu unseren Aktivitäten: wir radelten viel und ausgiebig, erkundeten dabei das Wahrzeichen von Texel, den Leuchtturm, natürlich den Strand, ein Erlebnisbauernhof, bei dem Lämmer geknufeltet werden konnten (knufelen heisst kuscheln, mega schönes Wort, man versteht sofort, was damit gemeint ist), ein Museum mit Roben, Seehunden, Fischen und Muscheln (einfach, alles, was das Wattenmehr hergibt ) und einen Flugplatz, bei dem wir einen Erlebnisflug gebucht hatten.

Leuchtturm von Texel

In 45 Minuten flogen wir die gesamte Insel ab, inklusive der Nachbarsinsel Vlieland, auf welcher die Nato mit Panzern trainiert (es hat dort aber auch Radwege und Campingplätze, also touristische und militärische Nutzung). Es war der erste Flug von Mara und sie hat es gut gemeistert, ja sogar genossen.

Start auf der Graspiste

Auch ja, bevor ich es vergesse, wir fuhren auch noch zu einem Bootssteg, bei dem wir einen Robenauskunftsfahrt unternahmen. Wir fuhren also mit dem Schiff nahe an eine Sandbank, auf der Roben lebten , sich sonnten, über die Sandbank krochen, bzw. robbten und ins Wasser abtauchten.

nicht nur Roben gab es, sondern auch kitesurfende Menschen

Insgesamt hat uns die Insel mega gut gefallen und wir kommen wieder keine Frage.

Warum immer eis meh?

Willkommen auf dem Reiseblog von Maggi, Jonas und jetzt natürlich auch Mara. Bevor es losgeht, einen kurzen Hinweis zum Namen. Vor 10 Jahren, als der Blog noch “murruburrusurru” geheissen hat, ist lange her und leider verstarb unsere Katze, der fellige Namensgeber dieses Blogs, vor knapp einem Jahr an akutem Nierenversagen. Deshalb passt der Name nicht mehr wirklich zu uns, er ist zu traurig für einen positiven Reiseblog.

Unsere Katze Murri (burrisurri etc.) mit Wildschwein. (Mein Profilbild auf Whatsapp hat etwas damit zu tun.)

Deshalb die Namensänderung zu “immer eis meh”. Dieser Blog wurde im August 2015 ins Leben gerufen, anlässlich unserer grossen Reise nach Australien und Neuseeland. Und nun im Jahre 2025 geht es wieder auf eine längere Reise, diesmal ein bisschen weniger weit weg in die Niederlande. Und irgendwie fand ich es schön und passend, diesen alten Blog wieder zu aktivieren und mit neuen Beiträgen von unserer Reise zu bereichern. Viel Spass dabei.

Warum immer eis meh?

„Immer eis meh” gehört zu uns, ist das Liebesmotto, welches wir uns an der Liebesfeier im Jahre 2020 gegeben haben, “immer eis meh” ist in unsere Ringe eingraviert und “immer eis meh” ist ein Wort, ja, es ist sozusagen als ein Wort gedacht, das sehr oft von uns gegenseitig gesagt wird.

Seit unsere Tochter Mara auf der Welt ist, sind wir “immer eis meh”. Ein Mensch mehr, der unser Leben bereichert, auflockert, um neue Facetten ergänzt, uns beglückt, aber durchaus auch herausfordert und das Programm bestimmt. Und dies gilt ganz besonders auf Reisen.

Unsere Tochter Mara ist zu Beginn der Reise 1000 Tage alt geworden.