Es war schön in Giethoorn, wenn auch sehr touristisch. Das Dorf, durchzogen von unzähligen Kanälen und geprägt von reetgedeckten Häusern, wirkte fast wie ein Freilichtmuseum – wunderschön, aber zugleich sehr konservativ. Ich vermute, dass es im Ortskern nicht ganz einfach ist, baulich etwas zu verändern: eine Solaranlage auf dem Dach undenkbar, ein Kompost im Garten schwierig.

Natürlich unternahmen wir in Giethoorn die obligatorische Bootstour, mit einem leisen Elektroboot, mit dem wir zunächst das „Ballenberg der Niederlande“ durchquerten und anschliessend auf den nahegelegenen See hinausfuhren. Das Bootfahren hat mir unglaublich gefallen, besonders im engen und lebhaften Dorfkern. Es war anspruchsvoll, forderte mich heraus, ohne mich zu überfordern – ich war im Flow. Ständig musste ich nachkorrigieren, und genau dadurch war meine volle Aufmerksamkeit beim Steuern.

Am zweiten Tag reisten Mara und ich nach Zwolle, einer Kleinstadt, welche von Giethoorn in einer Stunde zu erreichen ist. Richtig kennengelernt habe ich die Stadt nicht – wir sahen eine Brasserie mit Spielecke, einen Spielplatz am IJssel, der Fluss, welche die Innenstadt umkreist, eine kleine Schokoladenmanufaktur und den Bahnhof. Und doch: die Stadt war mir sofort sympathisch. Ich glaube, ich habe ein Faible für mittelgrosse Städte, die alles bieten, aber noch nicht so teuer sind, dass kleine Läden verschwinden. Auch Biel gefällt mir deshalb. Zwolle ist mit rund 100’000 Einwohner:innen nicht wirklich klein, aber im Vergleich zu Amsterdam, das fast eine Million zählt, eben doch überschaubar. Biel kommt auf knapp 60’000, Zürich auf 450’000. Zudem scheint Zwolle sozial-liberal geprägt zu sein: nicht versnobt, bürgernah – und das sagt mir zu. Eine kurze Google-Recherche hat bestätigt, dass ich damit nicht ganz danebenlag. Und auch Biel ist politisch eher links verortet.

Spannend finde ich, was es eigentlich braucht, um sich auf Reisen wohlzufühlen. Bisher hatten wir sehr unterschiedliche Unterkünfte – meist Ferienwohnungen, doch auch die können stark variieren. Entscheidend sind für mich drei Dinge: Lage, Grösse und Nachbarschaft.
Eine gute Lage ist praktisch – aber was heisst das genau? Für mich ist es ein grosser Pluspunkt, wenn die ÖV-Anbindung stimmt und ich morgens rasch an einem schönen Ort (zum Beispiel in einem Naturschutzgebiet) joggen gehen kann. Seit meinem Aufenthalt in Neapel weiss ich, dass das keineswegs selbstverständlich ist. Eine direkte See- oder Kanalsicht brauche ich nicht, auch wenn dies natürlich idyllisch ist. Viel wichtiger ist Platz – vor allem seit wir zu dritt unterwegs sind. Wenn alles in einem einzigen Raum gequetscht ist und man nicht weiss, wohin mit seinen sieben Sachen, empfinde ich das als mühsam und anstrengend. Platz ist Luxus, Platz ist praktisch – und er vermindert Reibungsflächen.
Und dann die Nachbarschaft: Ich weiss aus Erfahrung, dass mich reklamierende Nachbarn stark verunsichern können. So geschehen gleich in der ersten Nacht in Bloemendaal: eine wunderschöne, grosse Wohnung in toller Lage – und doch wurden wir um halb elf von den Nachbarinnen unter uns zur Ruhe ermahnt. Dabei waren wir lediglich spät heimgekommen und hatten uns in der Wohnung bewegt. Danach lag ich lange wach und konnte kaum einschlafen.
Also meine persönliche Rangliste:
- Tolerante Nachbarn oder gut isolierte Wohneinheiten
- Genügend Platz
- Gute Lage
Ein Tinyhouse oder eine hellhörige Altbauwohnung kommen eher nicht in Frage.



